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Interview mit Geheimtipps

Interview mit HUMA, deinem Fahrlehrer aus Appenzell

Journalist: Herr HUMA, welche 10 Tipps rund ums Fahrzeug geben Sie jungen Lenkern mit? Gerade in Bezug auf «wichtige Funktionen», «Handlingtipps» oder alte Tricks, die man noch wissen sollte, wenn man mit dem Auto unterwegs ist?

HUMA: Sehr gern! Viele junge Fahrerinnen und Fahrer konzentrieren sich nur auf Kupplung, Blinker und Spiegel. Aber das Auto kann viel mehr – und wer sein Fahrzeug kennt, fährt sicherer, entspannter und oft sogar günstiger.
Hier kommen meine 10 Haupttipps, ergänzt mit ein paar «Geheimtricks», die oft niemand erklärt, aber mega praktisch sind.


1. Reifendruck & Reifen richtig ernst nehmen

Warum wichtig?
Reifen sind die einzige Verbindung zwischen Auto und Strasse. Falscher Druck = schlechter Grip, längerer Bremsweg, höherer Verbrauch.

Was du tun solltest:

  • Reifendruck mindestens 1× pro Monat und vor längeren Fahrten prüfen.
  • Richtwerte findest du:
    • im Handbuch
    • an der Türinnenseite der Fahrertür
    • oder im Tankdeckel.
  • Sommer-/Winterreifen früh genug wechseln.

Kleiner Extra-Tipp:
Ein ungleich abgefahrener Reifen kann auf falschen Druck oder Fahrwerksprobleme hinweisen – also Augen offen halten.


2. Flüssigkeiten: Die «Lebenssäfte» deines Autos

Wichtige Flüssigkeiten:

  • Motoröl
  • Kühlflüssigkeit
  • Scheibenwischwasser
  • Bremsflüssigkeit (Kontrolle eher in der Garage)

Was du tun solltest:

  • 1× im Monat kurz die Haube aufmachen:
    • Motoröl: Motor abgestellt, gerade Fläche, Ölstand am Messstab checken.
    • Kühlwasser: Nur bei kaltem Motor kontrollieren, sonst Verbrennungsgefahr.
    • Scheibenwischwasser: Immer genug dabei – gerade im Winter extrem wichtig.

3. Beleuchtung & Sicht – sehen und gesehen werden

Was du prüfen solltest:

  • Abblendlicht, Rücklicht, Bremslichter, Blinker, Rückfahrscheinwerfer, Nebelschlussleuchte.
  • Am besten abends vor einer Wand oder Schaufenster testen.

Kleine Tricks:

  • Klimaanlage entfeuchtet die Luft: Wenn die Scheiben beschlagen, AC einschalten – auch im Winter.
  • Heckscheibenheizung nicht vergessen – hilft gegen beschlagen/vereiste Scheiben hinten.
  • Viele Autos haben eine Funktion «AUTO» am Lichtschalter – praktisch, aber nicht blind vertrauen, immer kontrollieren, ob Licht wirklich an ist.

4. Anfahren am Berg – Handbremse ist dein Freund

Handlingtipp:
Statt hektisch Kupplung/Gas jonglieren und zurückrollen, nutz die Handbremse:

  1. Mit Fussbremse anhalten, Handbremse kräftig anziehen.
  2. Gang drin lassen, Schleifpunkt suchen, leicht Gas geben.
  3. Wenn das Auto ziehen will → Handbremse lösen.
  4. Du fährst sauber an, ohne zurückzurollen.

Extra-Tipp:
Für die praktische Prüfung gibt das immer Pluspunkte, wenn du das sauber beherrschst.


5. Motorbremse – gerade in der Schweiz Gold wert

Warum wichtig?
In den Bergen (und auch sonst) ist es gefährlich, nur mit der Fussbremse bergab zu fahren – die Bremsen können überhitzen.

So machst du’s richtig:

  • Bergab: Gang wählen, als würdest du bergauf fahren, also eher einen tieferen Gang.
  • Motorbremse nutzen, Fussbremse nur zum Dosieren, nicht zum Dauerbremsen.
  • Wenn es verbrannt riecht oder die Bremse schwammig wird → anhalten, abkühlen lassen.

6. Warnleuchten verstehen – das Cockpit spricht mit dir

Grundregel:

  • Rot = STOP!
    → Anhalten, Motor aus, im Zweifel Pannendienst.
  • Gelb/Orange = Achtung!
    → Bald in die Garage, nicht ignorieren.

Typische Beispiele:

  • Öllampe rot → sofort Motor abstellen.
  • Kühlwasser-Temperatur rot → rasch stoppen, nicht weiterheizen.
  • Motorkontrollleuchte gelb → bald prüfen lassen, aber nicht gleich Panik.

7. Kleine, aber geniale Komfort-Funktionen im Auto

Hier kommen jetzt die «Nerd-Tricks», die fast niemand erklärt – aber mega praktisch sind:

  1. Kleines Dreieck neben der Tankanzeige:
    Zeigt dir, auf welcher Seite der Tankdeckel ist. Pfeil links → Füllstutzen links, Pfeil rechts → rechts. Ideal bei Mietwagen oder neuen Autos.
  2. Handschuhfach kann kühlen/heizen (bei manchen Autos):
    Viele Fahrzeuge haben eine kleine Luftdüse im Handschuhfach.
    • AC an → kühles Fach für Getränke/Schokolade.
    • Heizung an → kann warm werden (z.B. Handschuhe).
  3. Sicherheitsgurt-Verschluss als Flaschenöffner:
    Bei einigen Modellen funktioniert der Metallteil des Gurts als improvisierter Flaschenöffner. Klar: Nur im Stand, nicht beim Fahren – und Alkohol am Steuer bleibt trotzdem tabu.
  4. Zweite Raststufe beim Blinker:
    Leicht antippen → 3× Blinken (Spurwechsel). Voll durchdrücken → Dauerblinken (Abbiegen).
  5. Viele Autos haben einen «Komfortblinker»:
    Kurzes Antippen lässt das Auto automatisch 3–5 Mal blinken – perfekt für Spurwechsel auf Autobahnen.
  6. Fenster mit Schlüssel/Fernbedienung öffnen/schliessen (modellabhängig):
    Bei manchen Fahrzeugen: Schlüssel im Schloss halten oder Knopf länger gedrückt halten → alle Fenster gehen automatisch auf oder zu. Praktisch an heissen Tagen.

8. Sitz, Spiegel & Lenkrad – die Basis für Kontrolle

Sitzposition:

  • Knie leicht angewinkelt, Pedale voll durchdrückbar, ohne das Bein zu strecken.
  • Arme leicht angewinkelt, Handgelenke sollten oben aufs Lenkrad kommen, wenn du dich nach vorne lehnst.

Spiegel:

  • Innenspiegel so, dass du möglichst viel von der Heckscheibe siehst.
  • Aussenspiegel eher etwas weiter nach draussen, damit der tote Winkel kleiner wird.

Kleiner Trick:
Wenn du in den Aussenspiegeln noch viel von deinem eigenen Auto siehst, sind sie meist zu weit «innen» eingestellt.


9. Bordwerkzeug & Notfall-Ausrüstung kennen

Was du mindestens wissen solltest:

  • Wo sind Warndreieck, Warnweste und Verbandsmaterial?
  • Hat dein Auto noch ein Reserverad oder nur ein Pannenset?
  • Wo ist der Abschlepphaken (oft im Kofferraum, muss vorne/hinten eingeschraubt werden)?

Praktische Extras für junge Fahrer:

  • Kleine Taschenlampe im Handschuhfach.
  • Ladekabel fürs Handy (Navigation, Notruf).
  • Ein Paar Arbeitshandschuhe (für Radwechsel oder schmutzige Arbeiten).

10. Feine Handling-Tricks für den Alltag

Zum Schluss noch ein paar «alte Fahrlehrer-Tricks», die dir das Leben leichter machen:

  • Lenkrad nicht festkrallen:
    Locker, aber bestimmt halten – wie einen Ball. Zu verkrampft = schlechteres Gefühl fürs Auto.
  • Richtig lenken in engen Kurven oder Parklücken:
    «Übergreifende Lenktechnik» (beide Hände arbeiten mit) ist oft sicherer als «Schleifenlassen» der Hände, gerade im Prüfungsmodus.
  • Vorausschauendes Fahren = weniger Stress:
    Wenn du früh erkennst, was vorne passiert, kannst du sanfter bremsen, sparst Sprit und Nerven.
  • Bei längerer Fahrt:
    Alle 2 Stunden Pause, kurz bewegen, trinken, frische Luft. Das ist nicht nur bequem, sondern auch sicher.

HUMA:
Viele dieser Dinge lernt man nicht offiziell im Theorie-Buch. Aber genau diese Kleinigkeiten machen aus einem passablen Fahrer eine sichere, entspannte und souveräne Lenkerin oder einen souveränen Lenker.
Je besser du dein Auto kennst, desto weniger überrascht es dich – und desto mehr bist du der Chef oder die Chefin im Cockpit.